Samstag, 10. März 2012

Warum Leute bescheuerte Autos kaufen

Der amerikanische Marketingexperte Geoffrey Miller hat analysiert, warum Leute völlig unnütze Produkte kaufen, z. B. Hummer-Geländewagen. Er versucht, in der Evolution Gründe zu finden, und vergleicht dieses seltsame Verhalten mit Pfauen, die sich selbst mit riesigen Schwanzfedern behindern, nur um Eindruck bei den Weibchen zu schinden. Hier eine Zusammenfassung auf benutzerfreun.de. Und eine Kritik von mir:


Konrad Lorenz hat einen ähnlichen Fall, die Schwingen des Argusfasans, als Irrweg der Evolution gedeutet. Es kann also auch sein, dass die Pfauendamen mit ihrer Vorliebe für große Räder einfach eine rein zufällige und sinnlose Sackgasse der Evolution beschritten haben. Andererseits empfinden ja auch wir die Pfauenräder als schön. Das Ästhetische scheint einen Wert an sich darzustellen, der neben allem Nützlichen existiert und ganz direkt die Lebensqualität verbessert, einfach durch Wahrnehmung der Reize. Wenn man dem unbedingt einen evolutionären Sinn unterlegen will, liegt der vielleicht darin, dass Ästhetik auf spielerische Weise die Sinnesorgane schärft.

Nur die Sache mit den Hummers bleibt so ungeklärt - denn die sind nicht nur unnütz, sondern auch grottenhässlich. Hier dürften, historisch und biologisch gesehen, Ängste im Spiel sein - denn Ängste haben die Menschen schon oft dazu gebracht, unglaublich viel Energie in den Bau unnützer und hässlicher Dinge wie Festungen oder Panzer zu investieren. Der Hummer soll wohl als rollende Trutzburg die Illusion erzeugen, man könne sich und seine Familie mit seiner Hilfe unbeschadet durch unsichere Vorstädte bewegen, in denen der Krieg der Drogenbanden tobt. Emotionen, die die interessierten Autokonzerne mit ihren millionenschweren Werbe- und PR-Kampagnen in den Vordergrund gerückt haben dürften. Diese Interpretation bezieht die Wirkung der Medien mit ein. Das näher zu untersuchen, wäre eine Aufgabe für Soziologen und Sozialpsychologen.