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Montag, 20. November 2017

Gute Sätze 1: Geschwurbel eines Regionalentwicklers glatt gezogen


Die Textwelt ist voller Geschwurbel. Geschwurbel sind Texte, 

  • die so formuliert sind, dass sie möglichst niemand liest,
  • die dem Kopf richtig weh tun, wenn er gezwungen wird, sie doch zu lesen,
  • in denen ein Wichtigtuer sich wichtig tut, ohne den Lesern substanzielles Wissen zu vermitteln.
Es ist recht einfach, solche Texte glatt zu ziehen und in lebendiges Deutsch zu verwandeln. Dafür gibt es sogar Regeln. 

Montag, 21. Dezember 2015

Ich wünsche mir eine Warum-nicht-Kultur (mein 100. Beitrag hier)


Perkeo, porträtiert von Johann Georg Dathan. Bild: Wikimedia
Weihnachtszeit, Wunschzettelzeit! In Alt-Heidelberg gibt es eine große Traditionsgaststätte in einem Fachwerkhaus, die heißt Perkeo. Sie ist nach einem Heidelberger Hofnarr aus dem 18. Jahrhundert benannt, den man Perkeo nannte – weil dieser lebensfrohe Säufer die Frage, ob er das Große Fass im Heidelberger Schloss leertrinken könne, mit der italienischen Gegenfrage »Perché ‘o?« (eigentlich perché no) zu beantworten pflegte: »Warum nicht?« Ich will hier natürlich nicht dem Suff huldigen, aber einer Haltung, die neuen Vorschlägen (ja sogar den allseits gefürchteten Verbesserungsvorschlägen) mit einem offenen »Warum nicht?« begegnet: Ja, warum nicht mal ausprobieren?

Dienstag, 23. September 2014

Tod dem Kanzleideutsch! Praxisbeispiel Finanzamt

Gerade habe ich meinem Finanzamt einen Brief geschrieben. Der Anlass war ein Brief des Finanzamts mit dem Betreff: Übermittlung der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Entrichtung der Umsatzsteuer-Vorauszahlungen. Hier der Wortlaut meines Briefes, der, nebenbei, die Größe meines Geschäfts erahnen lässt.

Freitag, 10. August 2012

Eine Software hilft gegen Kanzleideutsch

Kann man Kanzleideutsch mit einer Software bekämpfen? Ja, das geht. Viele amtliche Mitteilungen quälen ihre Leserinnen und Leser mit unübersichtlichen Schachtelsätzen, Passivkonstruktionen, zusammengesetzten Substantiven, Adjektiv- und Genitiv-Häufungen. Das Programm LinguLab erkennt die meisten Mängel solcher Texte. Mein Gastbeitrag auf Lingulab.de

Dienstag, 27. September 2011

Lebendige Tiere und Pflanzen schützt man besser mit lebendigen Texten

Wer Texte zu Themen des Naturschutzes liest, beispielsweise Stellungnahmen von Naturschützern zu aktuellen Bauprojekten, stößt sehr häufig auf Sätze wie diesen:

Im Vorfeld des Bauantrages hatte der Antragsteller Unterlagen zur Prüfung der Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung für die Verlegung des namenlosen Strothbachnebengewässers eingereicht.
Im Bereich des Naturschutzes - und schon ist mir ein typischer Ausdruck jener Sprache entschlüpft, um die es hier gehen soll – grassiert ein grauenhaftes Kanzleideutsch, in all seiner jahrhundertelang eingeübten Starrheit, Staubigkeit und ächzenden Schwerfälligkeit.  Warum ist das schlimm? 

Dienstag, 14. Juni 2011

6 Thesen, über die man bald in Bielefeld spricht

  1. Falsch: Ihr Firmenporträt am Anfang der PPT-Präsentation.
    An den Anfang gehört eine Nachricht, eine These oder eine Frage.
  2. Falsch: PPT-Folien auf Papier ans Publikum herausgeben.
    Verteilen Sie stattdessen einen gedruckten Fachbeitrag.
  3. Doch, Internet-Besucher wollen lesen.
    Sie lesen lange Wikipedia-Artikel und suchen Infos, Geschichten und Bilder über Produkte.
  4. Kanzleideutsch in Geschäftsbriefen ist schlechter Service.
    Schreiben Sie so, wie man spricht! Schreiben Sie Verben!
  5. Wir können sehr wohl davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden.
    Es gibt einen Wohlstand ohne Stahl und Beton.
  6. Zum autofreien Sonntag Bielefeld-Herford kommen 50.000.
    Nutzen Sie Ihre Chance am 25. September 2011!

Freitag, 12. November 2010

Bitte keine Furz-Apps mehr! Und keine Ungen, Heiten und Keiten!

Die Marketing-Coaches Förster & Kreuz haben ein schönes Kontrastbeispiel zum geschäftsüblichen Kanzleideutsch gefunden: „Wir haben im App Store mehr als 25.000 Apps. Wir brauchen keine Furz-Apps mehr. Wenn deine App nichts Nützliches kann oder nicht in irgendeiner Form dauerhafte Unterhaltung bietet, wird sie möglicherweise nicht zugelassen.“

Förster & Kreuz sagen es: "Eine klare Sprache ist der Schlüssel. Denn Sprache bestimmt das Denken: Eine klare Sprache mündet letztlich in klare Produkte, klares Design und klare Botschaften. Und daraus wird klarer Erfolg."

So ist es. Doch was hält so viele davon ab?

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Sprechen Sie Bahnhof?

Auch dies ist ein Text- und Usability-Problem!

Szene aus Jacques Tatis Film: "Les vacances de Monsieur Hulot" ("Die Ferien des Monsieur Hulot", 1953)

Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihre Durchsage von niemandem verstanden wird, müssen Sie Folgendes tun:

Mittwoch, 22. Juli 2009

Es lebe die Umgangssprache!

Endlich scheint es sich auch unter Sekretärinnen herumzusprechen:
Die aus dem Kanzleideutsch früherer Jahrhunderte überkommenen, von ung-Worten und Genitiven strotzenden Floskeln in Geschäftsbriefen, Angebotsschreiben usw. sind der Tod einer lebendigen Kommunikation.

Der Newsletter Sekada Daily nannte im Juni und Juli 2009 ein paar Beispiele, teilweise auch in Englisch; jeweils mit Verbesserungsvorschlag:

  • nicht: bezugnehmend auf unser Gespräch sende ich Ihnen hiermit anliegend drei Gestaltungsvorschläge / sondern: mit diesem Brief erhalten Sie 3 Vorschläge
  • nicht: ersuche Sie, mir bitte fernmündlich Mitteilung zu machen... / sondern: Wenn Ihnen eine der Möglichkeiten gefällt, rufen Sie mich kurz an.
  • nicht: den Beschluss fassen / sondern: beschließen
  • nicht: im Wege der / sondern: per
  • nicht: in Abzug bringen / sondern: abziehen
  • nicht: in Erwägung ziehen / sondern: erwägen
  • nicht: in Rechnung stellen / sondern: berechnen
  • nicht: mit Ausnahme von / sondern: außer
  • nicht: unter Beweis stellen / sondern: beweisen
  • nicht: unter Zuhilfenahme von / sondern: mit
  • nicht: zur Auslieferung bringen / sondern: liefern
  • nicht: Please be advised that a car will pick you up from the airport at 3 pm.
    / Sondern: A car will pick you up from the airport at 3 pm.
Die gemeinsame "Philosophie" der kanzleideutschen Ausdrücke ist: Ich darf um Himmels willen niemals in einem offiziellen Brief so schreiben, wie ich spreche.

Wer aber lebendig und wirksam kommunizieren will, sollte genau das tun: so schreiben, wie er oder sie spricht. Das heißt vor allem: Viele Verben im Aktiv benutzen. Kurze Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt. Es lebe die Umgangssprache! Denn sie ist das lebendige Deutsch.

Beim Umlernen hilft Korffs Punkteschema für gute Sätze.