Samstag, 10. März 2012

Warum Leute bescheuerte Autos kaufen

Der amerikanische Marketingexperte Geoffrey Miller hat analysiert, warum Leute völlig unnütze Produkte kaufen, z. B. Hummer-Geländewagen. Er versucht, in der Evolution Gründe zu finden, und vergleicht dieses seltsame Verhalten mit Pfauen, die sich selbst mit riesigen Schwanzfedern behindern, nur um Eindruck bei den Weibchen zu schinden. Hier eine Zusammenfassung auf benutzerfreun.de. Und eine Kritik von mir:

Sonntag, 29. Januar 2012

Eine Quelle des Denglischen

Am 24.9.2011 sagte ein Radiojournalist in WDR 3: "Beirut, getrennt durch die green line, die so genannte grüne Linie..."
Warum übernahm er die Metapher, als er sie auf Englisch zitierte, und distanzierte sich davon, als er sie wörtlich ins Deutsche übersetzte? Warum können englische Journalisten eine Grenze einfach "grüne Linie" (green line) nennen (wohl weil sie mal jemand auf einem Stadtplan mit grünem Stift eingezeichnet hat), deutsche aber nicht? 
Die deutsche Furcht vor einfachen, griffigen Metaphern - und die englische Liebe zu einfachen, griffigen Metaphern - dürfte eine wichtige Quelle für das Phänomen "Denglisch" sein. Denn sie führt dazu, dass solche Metaphern nicht ins Deutsche übersetzt werden.

Freitag, 20. Januar 2012

Positive Wörter überwiegen stark

Zumindest im englischen Texten kommen viel mehr positiv wertende als negativ wertende Wörter vor. Auch wenn die Grundaussage eines Satzes negativ ist, verwendet man meist eher positiv gefärbte Wörter. Das haben amerikanische Sprachwissenschaftler in einer interessanten Untersuchung anhand von sehr vielen Texten der New York Times, aus Büchern bei Google Books, aus Musiktexten und aus twitter-Meldungen nachgewiesen. Als Ursache vermuten sie, dass Sprache grundsätzlich der pro-sozialen Kommunikation dient.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Großer Internet-Protest gegen amerikanische Gesetzesvorlage SOPA

Wikipedia, Google, Facebook, Twitter u. a. protestieren gegen amerikanischen Gesetzesvorschlag SOPA, der zum Schutz des Urheberrechts eine weitreichende Internet-Zensur verhängen würde. Vor allem müssten die Wikipedianer ständig sämtliche Websites, auf die sie verlinken, auf mögliche Urheberrechtsverstöße kontrollieren.
Erklärung der Wikipedia-Community

Donnerstag, 12. Januar 2012

Mobile Inhalte müssen noch stärker gekürzt werden

Wie der Usability-Spezialist Jakob Nielsen bei Benutzertests herausgefunden hat, müssen Meldungen für mobile Apps noch deutlich stärker gekürzt werden als bei Online-Meldungen ohnehin schon üblich. Obwohl die Leute ihre Smartphones oft nutzen, um die Zeit totzuschlagen, hassen sie Füllwörter und sekundäre Informationen. Alles Sekundäre gehört auf Folgeseiten.
Nielsens Originaltext

Online-Banking auf Bönnsch

Die Bonner Sparkasse bietet ihr Online-Banking auch auf Bönnsch und auf Kölsch an - mit witzigen Warnungen wie: „Opjepass: Sonst sin de Nüsele fott.“ Bericht bei Fit for Usability. Wer hätte das gedacht, dass man sogar hässliches Bankdeutsch einbönnschen kann: „Ömbochung“, „Dueropdraach“, „Lassschreff“... Sofort hört sich das charmant an.

Aber so richtig fluppen würde das wohl erst, wenn die Dialoge gesprochen würden und man das hören könnte. Geschriebener Dialekt sieht ja doch immer ein bisschen seltsam aus.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ihre Website hat 10 Sekunden Zeit

Einmal mehr haben Forscher untersucht, wie lange die Leute auf einer neuen Website bleiben, bzw. wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie nach x Sekunden die Website verlassen. Fazit: Um mehrere Minuten Nutzer-Aufmerksamkeit zu erzielen, müssen Sie Ihr Wertversprechen für den Nutzer innerhalb von 10 Sekunden kommunizieren. Wer es schafft, die Selektion in den ersten 10 Sekunden zu überstehen, bei dem bleiben viele Besucher minutenlang.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Gute Werbung: Altersrabatt beim Optiker

Ein Herforder Augenoptiker hat sich Ende 2010 etwas Witziges ausgedacht, um ältere Leute als Kunden zu gewinnen: einen Altersrabatt auf Brillenfassungen. Die Rabattrate entspricht dem Lebensalter; je älter die Kundinnen und Kunden sind, desto mehr Rabatt bekommen Sie. 

Freitag, 21. Oktober 2011

Werbebroschüren liest keiner? Und ob!

Die Texterin Doris Doppler nennt in business-wissen.de zehn Vorteile von Werbebroschüren (und widerlegt eindrucksvoll das Vorurteil, dass dieses Werbemedium hoffnungslos veraltet sei):
  1. Sie stellen ein Verkaufsgespräch nach.
  2. Sie vermitteln Echtheit.
  3. Sie sind nützlich für die Leser, z. B. durch Checklisten.
  4. Sie sind praktisch und überall sofort lesbar.
  5. Sie sind sehr vielseitig einsetzbar und gestaltbar.
  6. Sie sind als Medium vertraut.
  7. Sie wirken, in Kombination mit einem persönlichen Anschreiben, persönlich.
  8. Sie bieten die Chance, visuell (z. B. mit Fotos) zu klotzen.
  9. Sie unterstützen Online-Kampagnen im Marketing-Mix.
  10. Sie können wie ein Geschenk wirken.

Dienstag, 27. September 2011

Lebendige Tiere und Pflanzen schützt man besser mit lebendigen Texten

Wer Texte zu Themen des Naturschutzes liest, beispielsweise Stellungnahmen von Naturschützern zu aktuellen Bauprojekten, stößt sehr häufig auf Sätze wie diesen:

Im Vorfeld des Bauantrages hatte der Antragsteller Unterlagen zur Prüfung der Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung für die Verlegung des namenlosen Strothbachnebengewässers eingereicht.
Im Bereich des Naturschutzes - und schon ist mir ein typischer Ausdruck jener Sprache entschlüpft, um die es hier gehen soll – grassiert ein grauenhaftes Kanzleideutsch, in all seiner jahrhundertelang eingeübten Starrheit, Staubigkeit und ächzenden Schwerfälligkeit.  Warum ist das schlimm? 

Montag, 26. September 2011

Wirkungsvoll präsentieren trotz PowerPoint

Der Rhetoriklehrer Matthias Pöhm wusste es schon 2004: Die meisten PowerPoint-Folien unterstützen Vorträge nicht, sondern zerstören sie. Zumindest wenn man die Wirkung des Vortrags auf die Zuhörer betrachtet.Ich selbst habe 2010 das Thema aufgegriffen mit dem Fachbeitrag: Sieben sichere Methoden, mit PowerPoint Ihr Publikum einzuschläfern.

Die Rhetoriklehrerein Anita Hermann-Ruess kommt jetzt in einem Beitrag für business-wissen.de zu ähnlichen Ergebnissen. Als Ausweg empfiehlt sie PowerPoint-Präsentationen, die im Hintergrund bleiben. Die Folien sollen nur aussagekräftige Schlagzeilen, Grafiken, Animationen und metaphorische Fotos enthalten. Sie sollen sich auf wenige, besonders gute Argumente beschränken und nur ein Argument pro Folie illustrieren.

Die Macht der Worte demonstriert sie an einem Beispiel: Der Liedermacher Konstantin Wecker erzählte einmal in einer Talkshow, dass ihn viele Menschen überzeugen wollten, keine Drogen mehr zu nehmen. Er empfand sie alle als langweilige Spießer. Doch dann hat ein einziger Satz seiner Mutter ihn zur Umkehr bewegt. Sie sagte: „Wie kann ein Mensch, dem Freiheit so viel bedeutet, sich von einem Stoff so abhängig machen?“

Donnerstag, 8. September 2011

Die Macht der Worte



Der schöne Kurzfilm "The Power of Words" der britischen Werbeagentur Purplefeather zeigt die Macht der Worte. Leider bislang nur auf Englisch. Der schlagende Text auf der Pappe, der am Ende des Films gezeigt wird, ist eine bewegende Headline, die mit einem altbewährten rhetorischen Mittel arbeitet: Pars pro toto (ein Teil, das fürs Ganze steht). Sie könnte auf einem Plakat stehen, unter dem Blickfang einer Anzeige oder über einer Reportage.
Danke an Frank Wulf für den Tipp.