"Andreas V. findet Opfer im Internet", behauptete die Neue Westfälische (Bielefeld) im Mai 2019. Zu diesem Zeitpunkt saß Andreas V., der Täter von Lügde, schon ein halbes Jahr lang im Knast. Hatte er auch dort noch Internet-Zugang zu Kindern? Solche Fragen kann die verwirrende Pressemarotte auslösen, selbst über Ereignisse, die schon Jahre her sind, im Präsens zu berichten.
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Mittwoch, 3. Juni 2020
Freitag, 15. März 2019
Kritischer Satzbau: Zeitungen verschachteln ihre Überschriften
Beispiel Neue Westfälische, 13.3.2019 (Lokalteil Herford): "Bürgerinitiative argumentiert gegen Stadtverwaltung / Straßenausbaubeiträge: Bau- und Umweltausschuss beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 21. März, mit diesem Thema." Länger und unübersichtlicher geht es kaum. Vorangestellte Schlüsselworte richten mehr Schaden an als Nutzen.
Dienstag, 5. Januar 2016
Zukunftsmeldungen werden oft zu Lügen
Am 9.12.2015 meldete die Neue Westfälische mit vielen anderen Zeitungen groß auf Seite 2: »Wende im NSU-Prozess«. Darüber ein großes Foto der angeklagten Faschistin und mutmaßlichen Mörderin. Darunter die Unterzeile: »Tagesthema: Die Hauptangeklagte B. Z. will nun ihr mehrjähriges Schweigen brechen.« Der erste Absatz des Artikels: »Was will B. Z. wohl aussagen? (…) Der 249. Verhandlungstag könnte eine Wende im Münchener NSU-Prozess bringen.« Es folgen rund 70 Zeilen, die nur offene Fragen, Spekulationen und kalten Kaffee enthalten. Die Schlagzeile »Wende im NSU-Prozess« war eine glatte Lüge, denn in Wirklichkeit hatte es am Vortag keinerlei Wende in jenem Prozess gegeben.
Dienstag, 24. Februar 2015
Heute mal was Neues: Dummen Dogmen gepflegt widersprechen
Eine Idee von korffTEXT (Newsletter, Februar 2015)
Die dümmsten Sprüche in Politik, Kultur und Wirtschaft - und wie Sie gepflegt widersprechem
Unter diesem Titel ist am Rosenmontag mein Buch erschienen, beim Westend Verlag in Frankfurt. Basta-Dogmen wie „Geld regiert die Welt“ werden gerne benutzt, um Diskussionen zu beenden und Herrschaftsverhältnisse zu zementieren.
Der Verlag schreibt dazu: Jens Jürgen Korff zeigt mit seinen munteren Dogmenkritiken, dass genau da die Diskussion erst beginnt.
Dienstag, 23. September 2014
Tod dem Kanzleideutsch! Praxisbeispiel Finanzamt
Gerade habe ich meinem Finanzamt einen Brief geschrieben. Der Anlass war ein Brief des Finanzamts mit dem Betreff: Übermittlung der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Entrichtung der Umsatzsteuer-Vorauszahlungen. Hier der Wortlaut meines Briefes, der, nebenbei, die Größe meines Geschäfts erahnen lässt.
Montag, 5. Mai 2014
Journalisten kennen keine Vergangenheit und Zukunft
Deutsch könnte so einfach sein...
Wenn man z. B. über Dinge, die vergangen sind, im Tempus der Vergangenheit (Perfekt oder Präteritum) schriebe; über Dinge, die gegenwärtig sind, im Tempus der Gegenwart (Präsens); über Dinge, die in der Zukunft liegen, im Tempus der Zukunft (Futur). Zu diesem Zweck, möchte ich meinen, sind die Tempora, die Zeitformen der Grammatik, einstmals erfunden worden. Und wenn wir uns unterhalten, halten wir uns auch fast immer daran. Nur wenn Journalisten zu schreiben anfangen, sieht die Welt plötzlich anders aus.
Wenn man z. B. über Dinge, die vergangen sind, im Tempus der Vergangenheit (Perfekt oder Präteritum) schriebe; über Dinge, die gegenwärtig sind, im Tempus der Gegenwart (Präsens); über Dinge, die in der Zukunft liegen, im Tempus der Zukunft (Futur). Zu diesem Zweck, möchte ich meinen, sind die Tempora, die Zeitformen der Grammatik, einstmals erfunden worden. Und wenn wir uns unterhalten, halten wir uns auch fast immer daran. Nur wenn Journalisten zu schreiben anfangen, sieht die Welt plötzlich anders aus.
Freitag, 20. Dezember 2013
Wort der Woche (3): Parke
Sprachwissenschaftler der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und anderer Akademien haben im November 2013 einen Bericht zur Lage der deutschen Sprache vorgelegt - hier ein Tagesspiegel-Bericht dazu. Ein wichtiges Ergebnis daraus: Die meisten Anglizismen bereichern die deutsche Sprache eher, als dass sie sie verschandelten oder gefährdeten. Ein Beispiel dafür ist der eingedeutschte Plural des ursprünglich englischen Wortes "Park": Parke.
Mittwoch, 4. Dezember 2013
Heute mal was Neues: Produktseiten linguistisch überprüfen
Eine Idee von korffTEXT (Newsletter, Dezember 2013)
Überprüfen Sie, ob Ihre Produktseiten
- die Suchwörter, die Ihre Kunden benutzen, deutlich genug aufgreifen,
- leicht überfliegbar sind,
- Produktrecherchen unterstützen,
- verständlich genug formuliert sind.
Freitag, 28. Dezember 2012
Die heimliche Wirkung der Lästerworte
Über Kunden zu lästern, scheint eine Versuchung zu sein, der viele Mitarbeiter mit Kundenkontakt kaum widerstehen können. Wie es sich auf den eigenen Service auswirkt, wenn die Kellner von Ausflugslokalen die Ankunft eines Reisebusses vor dem Lokal als "Urnenöffnung" bezeichnen, wenn ein Verkäufer seine Kunden intern "Rosinenpicker" nennt, wenn Bankmitarbeiter ihre Kunden pauschal als "Risiken" klassifizieren, oder wenn Marktforscher Kunden mit Sonderwünschen und Zusatzfragen als "Terroristen" zur Fahndung ausschreiben, hat die Marketing-Beraterin Anne Schüller in business-wissen.de beobachtet. Ein Beitrag zum Thema "die Macht der Worte".
Freitag, 10. August 2012
Eine Software hilft gegen Kanzleideutsch
Kann man Kanzleideutsch mit einer Software bekämpfen? Ja, das geht. Viele
amtliche Mitteilungen quälen ihre Leserinnen und Leser mit
unübersichtlichen Schachtelsätzen, Passivkonstruktionen,
zusammengesetzten Substantiven, Adjektiv- und Genitiv-Häufungen. Das Programm
LinguLab erkennt die meisten Mängel solcher Texte. Mein Gastbeitrag auf Lingulab.de
Sonntag, 29. Januar 2012
Eine Quelle des Denglischen: die deutsche Angst vor Metaphern
Am 24.9.2011 sagte ein Radiojournalist in WDR 3: "Beirut, getrennt durch die green line, die so genannte grüne Linie..."
Warum übernahm er die Metapher, als er sie auf Englisch zitierte, und distanzierte sich davon, als er sie wörtlich ins Deutsche übersetzte? Warum können englische Journalisten eine Grenze einfach "grüne Linie" (green line) nennen (wohl weil sie mal jemand auf einem Stadtplan mit grünem Stift eingezeichnet hat), deutsche aber nicht?
Die deutsche Furcht vor einfachen, griffigen Metaphern - und die englische Liebe zu einfachen, griffigen Metaphern - dürfte eine wichtige Quelle für das Phänomen "Denglisch" sein. Denn sie führt dazu, dass solche Metaphern nicht ins Deutsche übersetzt werden.
Freitag, 20. Januar 2012
Positive Wörter überwiegen stark
Zumindest im englischen Texten kommen viel mehr positiv wertende als negativ wertende Wörter vor. Auch wenn die Grundaussage eines Satzes negativ ist, verwendet man meist eher positiv gefärbte Wörter. Das haben amerikanische Sprachwissenschaftler in einer interessanten Untersuchung anhand von sehr vielen Texten der New York Times, aus Büchern bei Google Books, aus Musiktexten und aus twitter-Meldungen nachgewiesen. Als Ursache vermuten sie, dass Sprache grundsätzlich der pro-sozialen Kommunikation dient.
Donnerstag, 12. Januar 2012
Online-Banking auf Bönnsch
Die Bonner Sparkasse bietet ihr Online-Banking auch auf Bönnsch und auf Kölsch an - mit witzigen Warnungen wie: „Opjepass: Sonst sin de Nüsele fott.“ Bericht bei Fit for Usability. Wer hätte das gedacht, dass man sogar hässliches Bankdeutsch einbönnschen kann: „Ömbochung“, „Dueropdraach“, „Lassschreff“... Sofort hört sich das charmant an.
Freitag, 12. November 2010
Bitte keine Furz-Apps mehr! Und keine Ungen, Heiten und Keiten!
Die Marketing-Coaches Förster & Kreuz haben ein schönes Kontrastbeispiel zum geschäftsüblichen Kanzleideutsch gefunden: „Wir haben im App Store mehr als 25.000 Apps. Wir brauchen keine Furz-Apps mehr. Wenn deine App nichts Nützliches kann oder nicht in irgendeiner Form dauerhafte Unterhaltung bietet, wird sie möglicherweise nicht zugelassen.“
Förster & Kreuz sagen es: "Eine klare Sprache ist der Schlüssel. Denn Sprache bestimmt das Denken: Eine klare Sprache mündet letztlich in klare Produkte, klares Design und klare Botschaften. Und daraus wird klarer Erfolg."
So ist es. Doch was hält so viele davon ab?
Förster & Kreuz sagen es: "Eine klare Sprache ist der Schlüssel. Denn Sprache bestimmt das Denken: Eine klare Sprache mündet letztlich in klare Produkte, klares Design und klare Botschaften. Und daraus wird klarer Erfolg."
So ist es. Doch was hält so viele davon ab?
Donnerstag, 14. Oktober 2010
Sprechen Sie Bahnhof?
Auch dies ist ein Text- und Usability-Problem!
Szene aus Jacques Tatis Film: "Les vacances de Monsieur Hulot" ("Die Ferien des Monsieur Hulot", 1953)
Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihre Durchsage von niemandem verstanden wird, müssen Sie Folgendes tun:
Mittwoch, 5. August 2009
Wolf Schneiders Sprachkritik im Video
Seit Mai 2009 gibt es auf www.sueddeutsche.de Videoclips mit kurzen Sprachkritiken des Altjournalisten und Sprachexperten Wolf Schneider ("Deutsch fürs Leben"). Schneider seziert dort z. B. die unangenehmen Aspekte der Worte "Verbraucher" und "Beziehung" ("Früher hieß das Liebe...") oder des/der Stellvertreter/-in des/der Intendanten/-tin. Schneider ist übrigens einer der wenigen Kritiker der feministischen Grammatik, der zur Kenntnis nimmt und würdigt, dass unsere herkömmliche Sprache und Grammatik tatsächlich dazu neigt, Frauen zu diskriminieren.
Etwas unpassend sind allerdings Schneiders Ausfälle gegen Lehrer. In dem Beitrag "Die Rache der Kevins" fordert er Jungen mit dem Vornamen Kevin sogar auf, es ihren Lehrern "eines Tages heimzuzahlen - irgendwie". Ein übler Missgriff in Zeiten der Amokläufe und Lehrermorde. Hintergrund ist eine Umfrage, bei der befragte Lehrer so ehrlich waren zuzugeben, dass sie mit Vornamen wie Kevin und Chantal sofort etwas Negatives assoziieren. (Ergänzt am 4.3.2010)
Etwas unpassend sind allerdings Schneiders Ausfälle gegen Lehrer. In dem Beitrag "Die Rache der Kevins" fordert er Jungen mit dem Vornamen Kevin sogar auf, es ihren Lehrern "eines Tages heimzuzahlen - irgendwie". Ein übler Missgriff in Zeiten der Amokläufe und Lehrermorde. Hintergrund ist eine Umfrage, bei der befragte Lehrer so ehrlich waren zuzugeben, dass sie mit Vornamen wie Kevin und Chantal sofort etwas Negatives assoziieren. (Ergänzt am 4.3.2010)
Mittwoch, 22. Juli 2009
Es lebe die Umgangssprache!
Endlich scheint es sich auch unter Sekretärinnen herumzusprechen:
Die aus dem Kanzleideutsch früherer Jahrhunderte überkommenen, von ung-Worten und Genitiven strotzenden Floskeln in Geschäftsbriefen, Angebotsschreiben usw. sind der Tod einer lebendigen Kommunikation.
Der Newsletter Sekada Daily nannte im Juni und Juli 2009 ein paar Beispiele, teilweise auch in Englisch; jeweils mit Verbesserungsvorschlag:
Wer aber lebendig und wirksam kommunizieren will, sollte genau das tun: so schreiben, wie er oder sie spricht. Das heißt vor allem: Viele Verben im Aktiv benutzen. Kurze Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt. Es lebe die Umgangssprache! Denn sie ist das lebendige Deutsch.
Beim Umlernen hilft Korffs Punkteschema für gute Sätze.
Die aus dem Kanzleideutsch früherer Jahrhunderte überkommenen, von ung-Worten und Genitiven strotzenden Floskeln in Geschäftsbriefen, Angebotsschreiben usw. sind der Tod einer lebendigen Kommunikation.
Der Newsletter Sekada Daily nannte im Juni und Juli 2009 ein paar Beispiele, teilweise auch in Englisch; jeweils mit Verbesserungsvorschlag:
- nicht: bezugnehmend auf unser Gespräch sende ich Ihnen hiermit anliegend drei Gestaltungsvorschläge / sondern: mit diesem Brief erhalten Sie 3 Vorschläge
- nicht: ersuche Sie, mir bitte fernmündlich Mitteilung zu machen... / sondern: Wenn Ihnen eine der Möglichkeiten gefällt, rufen Sie mich kurz an.
- nicht: den Beschluss fassen / sondern: beschließen
- nicht: im Wege der / sondern: per
- nicht: in Abzug bringen / sondern: abziehen
- nicht: in Erwägung ziehen / sondern: erwägen
- nicht: in Rechnung stellen / sondern: berechnen
- nicht: mit Ausnahme von / sondern: außer
- nicht: unter Beweis stellen / sondern: beweisen
- nicht: unter Zuhilfenahme von / sondern: mit
- nicht: zur Auslieferung bringen / sondern: liefern
- nicht: Please be advised that a car will pick you up from the airport at 3 pm.
/ Sondern: A car will pick you up from the airport at 3 pm.
Wer aber lebendig und wirksam kommunizieren will, sollte genau das tun: so schreiben, wie er oder sie spricht. Das heißt vor allem: Viele Verben im Aktiv benutzen. Kurze Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt. Es lebe die Umgangssprache! Denn sie ist das lebendige Deutsch.
Beim Umlernen hilft Korffs Punkteschema für gute Sätze.
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