Montag, 21. Dezember 2015

Ich wünsche mir eine Warum-nicht-Kultur (mein 100. Beitrag hier)


Perkeo, porträtiert von Johann Georg Dathan. Bild: Wikimedia
Weihnachtszeit, Wunschzettelzeit! In Alt-Heidelberg gibt es eine große Traditionsgaststätte in einem Fachwerkhaus, die heißt Perkeo. Sie ist nach einem Heidelberger Hofnarr aus dem 18. Jahrhundert benannt, den man Perkeo nannte – weil dieser lebensfrohe Säufer die Frage, ob er das Große Fass im Heidelberger Schloss leertrinken könne, mit der italienischen Gegenfrage »Perché ‘o?« (eigentlich perché no) zu beantworten pflegte: »Warum nicht?« Ich will hier natürlich nicht dem Suff huldigen, aber einer Haltung, die neuen Vorschlägen (ja sogar den allseits gefürchteten Verbesserungsvorschlägen) mit einem offenen »Warum nicht?« begegnet: Ja, warum nicht mal ausprobieren?

Damit wir nicht im luftleeren Raum diskutieren, füge ich meinem Wunschzettel schon mal drei klitzekleine, aber konkrete Vorschläge hinzu:
  • Die Morgennachrichten im WDR-Rundfunk nerven mich mit einer permanenten Informations-verschmutzung. Statt über Ereignisse zu berichten, die wirklich passiert sind, liest man mir den Terminplan der Redaktion vor. Ich erfahre z. B. in aller Ausführlichkeit, dass irgendwann heute die FIFA voraussichtlich über das Schicksal von Blatter und Platini entscheiden werde. Danach wird in drei Sätzen wiederholt, was selbst Fußballmuffel wie ich schon lange über Blatter und Platini wissen. Richtig, früh am Morgen ist in Mitteleuropa noch nicht viel passiert. Warum nutzt der WDR nicht die Gelegenheit, um über die vielen Dinge zu berichten, die am Vorabend in Usa oder am Morgen in Australien, Japan und China passiert sind? Was spräche dagegen, die deutsche Nachrichtenkultur ein wenig an die globalisierte Welt anzupassen?
  • Kampf dem Nummernterror! Die Post könnte die 200 Postfächer, die sich eine Postleitzahl teilen, mit dreistelligen (statt sechsstelligen) Postfachnummern durchzählen. Die Banken könnten die rund 5000 deutschen Banken mit vierstelligen (statt achtstelligen) Bankleitzahlen und die, sagen wir, 40.000 Konten, die eine Bank beliefert, mit fünfstelligen (statt zehnstelligen) Kontonummern versehen. Auch die IBAN würde entsprechend kürzer. Warum nicht? Zur Erinnerung: Schon vor Jahrzehnten wurde die Datenbank erfunden. Seitdem ist es nicht mehr nötig, in einer Nummer irgendwelche Zusatzinformationen zu verschlüsseln.
  • Lebendiges Deutsch: Ach ja! Ich träume von einer Bahnansage, die da lautet: »Die Züge Richtung Dingenskirchen sind leider verspätet, weil in Mülheim ein Stellwerk abgebrannt ist.« Und nicht: »Aufgrund des brandbedingten Stellwerksausfalls in Mülheim kommt es weiterhin zu Fahrplanunregelmäßigkeiten bei den Zügen Richtung Dingenskirchen.« (Wie kriegt man das hin? Rufen Sie mich an, ich sage es Ihnen. Tel. 0521/ 3043 6988)
In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen frohe Festtage, ein wunderbares neues Jahr - und einen Wunsch, der in Erfüllung geht; einfach dadurch, dass eine zuständige Stelle sagt: Warum nicht?

Ihr Jens Jürgen Korff, 22. Dezember 2015