Mittwoch, 8. August 2012

Psychologen untersuchen die Macht der Worte

Auf die Macht der Worte wies der amerikanische Psychologe Daniel Kahneman in einem Gespräch mit dem SPIEGEL hin (Ausgabe 21/2012). Sie wurde in psychologischen Experimenten nachgewiesen. Allerdings pflegen die Psychologen offenbar weiterhin das merkwürdige Missverständnis, unsere Gefühle und unsere Intuition aus unserem »bewussten Ich« auszuklammern.

In einem Experiment sollten zwei Gruppen von Studenten aus vorgegebenen Wörtern Sätze bilden. Bei der einen Gruppe tauchten in der Auswahl Wörter wie vergesslich, kahl, grau oder Runzeln auf, bei der anderen dagegen keine Wörter, die man mit Senioren assoziieren konnte. Diejenigen mit dem ans Alter gemahnenden Vokabular bewegten sich anschließend messbar langsamer. In einem anderen Experiment sollten zwei Gruppen von Probanden ein Spiel spielen. Bei den einen hieß es Gemeinschaftsspiel, bei den anderen Wettbewerbsspiel. Im einen Fall wurden die Leute hilfsbereit, im anderen egoistisch – obwohl es sich in beiden Fällen um das gleiche Spiel handelte.

Kahneman: »Man kann zum Beispiel nachweisen, dass alles, was die Menschen an ihre Sterblichkeit erinnert, sie gehorsamer macht.«
Ein merkwürdiges Missverständnis von Psychologen und Journalisten äußerte sich in folgender Gesprächspassage:

Kahneman: Die Psychologinnen unterscheiden ein »System 1« und ein »System 2«, die unser Handeln steuern. System 1 steht für die Intuition. Es erzeugt unermüdlich Ansichten, Eindrücke und Gefühle. System 2 dagegen steht für Vernunft, Selbstkontrolle und Intelligenz.
Spiegel: Also unser bewusstes Ich?
Kahneman: Genau. System 2 bin ich, also derjenige, der glaubt, die Entscheidungen zu fällen. In Wirklichkeit allerdings ist der Einfluss von System 1 enorm – ohne dass Sie sich dessen bewusst wären. Sie werden gewissermaßen regiert von einem Fremden, ohne dass Sie es merken.
Hallo? Meine Intuition und meine Gefühle sind ein Fremder? Meine Intuition und meine Gefühle sind mir nicht bewusst? Tut mir leid, aber bei mir ist das ganz anders. Meine Intuition und meine Gefühle sind mir sehr bewusst, und sie sind mir bewusst als Teil von mir. Wenn ich jemanden liebe, dann bin ich das, der da liebt. Wenn ich etwas hasse, dann bin ich das, der da hasst. Wenn ich eine kreative Idee habe, dann bin ich das, der diese Idee hat, und ich bin es, der Stolz auf seine Idee empfindet. Warum sollte das ein Fremder sein?

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