Montag, 23. November 2015

Sind Sie ein ungeselliges Unternehmen? Dann helfen Ihnen auch keine Social Media

Der Nestlé-Konzern hat beschlossen, die Internet-Kommunikation seiner Marke Nescafé komplett in das soziale Netzwerk Tumblr zu verlagern. So will man mit jugendlichen Zielgruppen in Kontakt kommen. Der amerikanische Webtexter Nick Usborne geht der Frage nach, ob es das wohl bringen wird. Dabei vergleicht er das Unternehmen mit einem 55-jährigen Mann, der plötzlich etwas an seinem Leben verändern will. Hier seine Gedanken auf Deutsch.

Angenommen, Sie sind dieser Mann. Sie sind aber leider ungesellig veranlagt und haben es nie gelernt, zum Beispiel in einer Kneipe Leute anzusprechen oder Leuten, die Sie ansprechen, interessiert zuzuhören. Sie sind kein schlechter Mensch, nur eben ein wenig scheu, schweigsam und verschlossen. Dennoch haben Sie einen Freund, und der sagt Ihnen: „Junge, das kann man ja nicht mit ansehen. Geh doch mal ins Tumblr! Das ist total angesagt, da spricht jeder mit jedem, alle haben Spaß. Das wird dir gut tun.“

Unser Mann geht also ins Tumblr, doch auch dort spricht er niemanden an. Außerdem sagt seine „Ausstrahlung“: „Zwecklos, mich anzusprechen. Ich interessiere mich sowieso nicht für dich.“ Und überhaupt: Wie sollte das funktionieren, wenn ein alter Sack auf eine Teenie-Party geht, dort dumm rumsteht und denkt, alle halten ihn jetzt für cool?

Usborne will uns sagen: Es gibt ungesellige Unternehmen, und ein ungeselliges, unkommunikatives Unternehmen wird nicht dadurch gesellig, dass es auf einer angesagten geselligen Plattform aufkreuzt. (Usborne verwendet den Ausdruck „unsocial“. Beim Übersetzen ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich die Bedeutungen der Worte „social“ und „sozial“ sind. Mit „social“ ist so etwas wie „gesellig“ gemeint. Bei „sozial“ denken wir dagegen zuerst an so etwas wie Gemeinschaft und Gemeinnutzen.) Um gesellig zu werden, muss ein Unternehmen intern eine entsprechende Kultur entwickeln. Da geht es um Fragen wie:

  • Wie kommunizieren die Mitarbeiter miteinander? Wie tauschen sie ihr Wissen aus?
  • Wie gehen die Chefs mit Vorschlägen ihrer Mitarbeiter um? Ermuntern sie ihre Leute zum aktiven Mitdenken?
  • Freuen sich die Mitarbeiter aufs nächste interne Meeting oder stöhnen sie darüber? Woran liegt das?
  • Wie geht das Unternehmen mit Fragen von Interessenten oder Journalisten um?
  • Spricht das Unternehmen seine Kunden regelmäßig an? Bietet es Anreize zur Beteiligung, Anreize, sich zurückzumelden?
  • Kommuniziert das Unternehmen die Geschichten, die hinter der Entwicklung bestimmter Produkte oder Leistungen stehen?

Usborne bietet seine Hilfe in diesen Fragen an – aber teuer und amerikanisch.
Korfftext bietet seine Hilfe ebenfalls an – preisgünstig, ortsnah und in klarem Deutsch.