Montag, 16. November 2015

Liberté, égalité, fraternité! Vive la vie!

Die Mörder meinen dich und mich. Dieses Gefühl hatte ich bereits bei den Bomben auf die Friedensdemonstration in Ankara am 10. Oktober.
Wir erfahren gerade, was unsere hart erkämpfte Freiheit wert ist.
Wie vereinigen wir Friedfertigkeit und Widerstand gegen die drohende Tyrannei?

Fabian Federl betont im Tagesspiegel den Aspekt, dass die Mörder nicht "unsere (westliche) Kultur", sondern die menschliche Kultur überhaupt angegriffen haben. Dass man Musik hört, tanzt und einen trinken geht, ist keine abendländische Erfindung.

Noch eine Anmerkung zur Macht der Worte:
Warum gerade das Bataclan? Es ist benannt nach der Operette Ba-ta-clan von Jacques Offenbach und Ludovic Halévy; beide waren jüdischer Konfession oder Herkunft. Das moderne Bataclan gehörte Juden und stand in der Kritik wegen Veranstaltungen, die manche als proisraelisch werteten. Auch die Gruppe "Eagles of Death Metal", die dort spielte, war in Israel aufgetreten und hatte sich israelfreundlich geäußert. Zu diesen Bezügen (auch kritisch) schreiben Lisas Welt und publikative.org.
Man kann die historische und begriffliche Spurensuche noch weiter treiben: Das Bataclan steht am Boulevard Voltaire. Eine der angegriffenen Kneipen hieß "Comptoir Voltaire". Der Aufklärer Voltaire war den fanatischen Katholiken des 19. Jahrhunderts besonders verhasst wegen seiner scharfen Kritik an den Dogmen der katholischen Kirche. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass den Mördern alle diese Bezüge klar waren, haben sie mit Paris auf jeden Fall die Stadt ausgewählt, in der es von Zusammenhängen dieser Art wimmelt.