Dienstag, 18. Mai 2010

100.000 Besucher bei autofreiem Sonntag in Hannover

Zum dritten autofreien Sonntag in der Innenstadt von Hannover kamen am 16. Mai rund 100.000 Besucher. Während die Sonne schien und der Wind blies, genossen es die Leute, zu Fuß oder per Fahrrad auf vierspurigen Straßen zu wandeln und informierten sich dabei über hunderterlei Möglichkeiten zum Klimaschutz.

Schaumburger Nachrichten 16.5.2010

Übrigens: Am 29. September 2013 gibt es wieder einen autofreien Sonntag zwischen Bielefeld und Herford unter dem Motto "Ohne Auto mobil".

Freitag, 7. Mai 2010

Jeremy Rifkin: Kooperation schlägt Konkurrenz

Der usamische Vordenker Jeremy Rifkin sagt in seinem Buch „Die empathische Zivilisation – Wege zu einem globalen Bewusstsein“: Die von Empathie geprägten friedlichen Zeiten überwiegen in der Menschheitsgeschichte. Kooperation siegt letztlich über Konkurrenz. Das vom Geist einer monströsen Plünderung geprägte Industriezeitalter ist vorbei. Aber die Verteidiger des alten Denkens dominieren leider immer noch in den Konzernführungen und Regierungen. Hier ein Interview der Marketing-Vordenkerin Anja Förster mit dem "wandelnden Thinktank".

Mittwoch, 7. April 2010

Macht das Sinn? Ja, das macht Sinn

Joachim Graf hat in seinem empfehlenswert hintergründigen Internet- und Marketing-Journal ibusiness die "26 nervigsten Wort-Hülsenfrüchte in Internet- und Social-Media-Präsentationen" aufgespießt (Originalbeitrag im Premiumbereich; auf Anfrage bei mir erhältlich).

Darunter findet sich auf Position 2 auch die beliebte Formulierung "Das macht Sinn" (direkt übersetzt aus dem Englischen: "that makes sense"). Für diese Floskel, die Sprachpuristen immer wieder angreifen, will hier eine Lanze brechen. Nicht alles, was direkt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wird, ist schlecht. Dieser Ausdruck macht in meinen Augen wirklich Sinn, weil er besser als der ursprüngliche deutsche Ausdruck "Das ist sinnvoll" darauf eingeht, dass Sinn durch bestimmte Maßnahmen gezielt erzeugt wird. Der kurze, knackige Dreisilber (so was ist klassisch eigentlich immer gut) nimmt nicht nur das normativ und apodiktisch angehauchte Präsens "Das ist sinnvoll" auf, sondern auch die Prognose: "Das wird sich als sinnvoll erweisen."

Donnerstag, 11. März 2010

Rhetorik: zweifelhafte Mehrabian-Studie

Von Stimmtrainern und manchen Rhetoriklehrern wird sie immer wieder gern zitiert: eine Studie des amerikanischen Psychologen Albert Mehrabian aus dem Jahr 1967, aus der angeblich hervorgeht, dass wir bei Auftritten vor Gruppen 55 % unserer Wirkung mit der Körpersprache erzielen, 38 % mit der Stimme und nur 7 % mit dem Inhalt, also den Worten. Hier ein Beispiel für solche Zitate.
Und hier ein aktuelles Beispiel auf business-wissen.de (Mai 2012)

Diese Interpretation hat sehr wenig mit dem zu tun, was Mehrabian damals wirklich gemessen hat.

Mittwoch, 3. März 2010

Gute Werbung, schlechte Werbung: "Menschen, Marken, Maschinen"

Bielefeld Marketing hat sich mit dem Slogan "Made in Bielefeld: Menschen, Marken, Maschinen" erfolgreich darum beworben, dass Bielefeld Ausrichter des NRW-Tages 2014 wird. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Doch ist der Slogan eine gute Idee? Dafür sprechen folgende Gründe:

  • Die Alliteration "Me..., Ma..., Ma..." macht den Slogan einprägsam.
  • Der Rhythmus (Jambus - Daktylus - Jambus) klingt dynamisch und macht den Slogan ebenfalls einprägsam.
  • Der Dreier ist ein bewährtes Konstruktionsmuster für langlebige Slogans: "quadratisch, praktisch, gut"; "Aus Erfahrung gut"; "Bitte ein Bit!"; "3 - 2 - 1- meins"
  • Die Worte "Marken" und "Maschinen" benennen Bielefelder Besonderheiten: die vielen Industriemarken und den Maschinenbau.
Aber inhaltlich, was die Assoziationen der Worte betrifft, spricht vieles dagegen:

Dienstag, 9. Februar 2010

Freie Menschen im Unternehmen

Der britische IT-Trainings-Unternehmer Henry Stewart (Happy Computers) hat Erfolg mit hohen Preisen und Super-Personal und freien Menschen im Unternehmen. Die gewinnt er, indem er die Bewerber einen Tag lang zeigen lässt, ob sie ein besonderes Händchen für die Arbeit haben, für die sie sich beworben haben, und ob sie Kritik aufnehmen können.
Ein Firmenporträt von Anja Förster und Peter Kreutz

Als Texter merke ich an: Der simple, aber wirksame Firmenname und Slogan ("Happy computers, happy elearning, happy people") trägt sicher das seinige zum Erfolg der Firma bei - sowie die Selbstverpflichtung, als "Carbon Zero Company" ("Null-CO2-Unternehmen") zu arbeiten.

Aus dem Tagebuch eines Texters (II): Handwerker-Faltblatt

Ein Bauhandwerker brauchte ein Faltblatt (auch Folder oder, fälschlich, Flyer genannt), um seinen Kunden eine neue Technik und eine neue Dienstleistung vorzustellen. Eine Grafikerin hat ein Konzept und ein Layout gemacht. Der Textentwurf war eine Koproduktion von Handwerker und Grafikerin: langweilig, klanglos, keine Headlines, keine Faszination, keine Kundenwünsche wurden geweckt. Jetzt hat er einen neuen Text, der genau ins vorgegebene Layout passt, alle Fotos berücksichtigt - und ein richtiger Werbetext ist nach den Regeln der Kunst:
  • ungewöhnliche Headlines (Überschriften), die aufmerksam machen
  • direkte Ansprache der potenziellen Kunden
  • Emotionen der potenziellen Kunden werden angesprochen
  • Das Eigentum der Kunden wird ebenso aufgewertet wie die technische Dienstleistung an diesem Eigentum.

Freitag, 5. Februar 2010

Aus dem Tagebuch eines Texters (I): Kreativität

Der Kreativitätstrainer Jens-Uwe Meyer ("Die Ideeologen") analysierte bei business-wissen.de fünf Scheren im Kopf, die bei vielen Menschen die Kreativität behindern, indem sie neue Ideen sofort abschneiden. Diese fünf Scheren sagen:
  1. Das haben wir noch nie so gemacht. (die Gewohnheitsschere)
  2. Das geht nicht. (die Machbarkeitsschere)
  3. Das gibt es nicht. (die Wissensschere)
  4. Das darf man nicht. (die Regelschere)
  5. Das ist widersprüchlich oder stößt auf Widerspruch. (die Widerspruchsschere)
Ich habe mich heute selbst überprüft und nach diesen Scheren in meinem Kopf gesucht.

Sonntag, 15. November 2009

Fragen Sie Besucher nach ihren Wünschen!

Schon seit Jahren erfolgreich im Internet aktiv ist die Mindener Finanzberaterin Caroline Lagemann mit der Website www.cl-finanzen.de. Das Besondere daran: Über zwei oder drei interaktive Fragen und Antworten gelangen die Besucher zu den Inhalten, die für ihre persönliche Lage relevant sind.

Konzept und Text: korffTEXT, Bielefeld (2004)
Webdesign und Umsetzung: incognito, Münster

Dienstag, 13. Oktober 2009

E-Mail-Betreff: Von Amazon lernen

Amazon ist einer der erfolgreichsten E-Mail-Verkäufer. Der amerikanische E-Mail-Marketing-Spezialist Mark Brownlow analysierte im Sommer 2009 die Betreffzeilen von 187 E-Mail-Newsletter von Amazon.com, Amazon.co.uk und Amazon.de. Seine wichtigsten Erkenntnisse:
  • Die nge der Betreffzeilen variierte stark; die meisten waren zwischen 39 und 52 Zeichen lang, manche aber auch über 100 Zeichen. Individualisierte Buchempfehlungen erfordern meist längere Betreffzeilen.
  • Auch Amazon hat noch keine Lösung dafür gefunden, dass manche Buchtitel unter dem Autor und manche unter dem Titel bekannter sind, also manchmal der Autor und manchmal der Titel vorne stehen sollte, um zu verhindern, dass das Wichtigste hinten abgeschnitten wird. Da müssen die Programmierer der CRM-Systeme offenbar noch dran arbeiten.
  • Amazon fügt nur selten den Namen des Adressaten in die Betreffzeile ein (Amazon.de häufiger als Amazon.com und Amazon.co.uk).
  • Amazon.com stellt den Markennamen stets an den Anfang der Betreffzeile; Amazon.co.uk stellt ihn meist ans Ende; Amazon.de setzt ihn meist gar nicht in die Betreffzeile. Darin spiegelt sich möglicherweise die größere Bedeutung des Markennamens in Usa.
  • Amazon wirbt in den Betreffzeilen häufig mit Rabatten, und zwar mit großen Rabatten, wenn ein breites Angebot beworben wird, mit kleinen Rabatten, wenn ein individualisiertes Buch-Angebot beworben wird.
  • Was steht vorne? Amazon.com stellt stets den Markennamen voran und nennt an zweiter Stelle am häufigsten Rabatte. Amazon.co.uk stellt am häufigsten Rabatte voran, am zweithäufigsten den Markennamen. Amazon.de stellt am häufigsten die Worte »Jetzt neu:« voran. Darin spiegeln sich wahrscheinlich unterschiedliche Prioritäten des jeweiligen Zielpublikums.
Bestellen Sie hier die ganze Auswertung in Deutsch als PDF.

Freitag, 9. Oktober 2009

Gute Werbung: "I shame me so for my English"


Die Berlitz-Sprachenschulen warben im Sommer 2009 für Englisch-Sprachkurse mit Plakaten, Anzeigen und Internet-Bannern; darauf das Bild eines Mädchens, das sein Gesicht hinter der hoch gezogenen roten Bluse verdeckt und sagt: „I shame me so for my English.“

Freitag, 2. Oktober 2009

Schlüsselwort-Effekte bei Tests vermeiden

Der Usability-Spezialist Jakob Nielsen hat ein schönes Beispiel für die Macht der Worte gefunden: Beim sog. Card Sorting (Kartensortieren), einem Testverfahren für die Planung von Informationsarchitekturen, kommt es oft zu verzerrten Ergebnissen, weil sich die Teilnehmer beim Ordnen der Karten an die vorgegebenen Schlüsselworte halten und gleiche Worte aufeinander legen. Dadurch entsteht oft ein Votum für eine bestimmte Informationsarchitektur, das nicht auf dem mentalen Modell des Teilnehmers beruht, sondern auf der Vorgabe des Testers. Um solche Effekte zu vermeiden, muss man den Teilnehmern das Einordnen der Karten bewusst erschweren, indem man Synonyme verwendet oder Formulierungen, die ihre Struktur wechseln.
Hier die deutsche Übersetzung der Alertbox-Kolumne (die von mir stammt).